Wie werden wir in Wesseling in zwanzig Jahren heizen? Mit Gas, mit Fernwärme, mit einer Wärmepumpe – oder mit einer Mischung aus allem? Diese Frage betrifft uns alle: unsere Heizkosten, unsere Lebensqualität und die Frage, ob unsere Stadt ihren Teil zur Klimawende beiträgt. In seiner Sitzung am 14. April beschloss der Ausschuss für Stadtentwicklung der Stadt Wesseling den Entwurf der kommunalen Wärmeplanung als Grundlage für die Beteiligung der Öffentlichkeit. Infos dazu hier.
Das Wärmeplanungsgesetz des Bundes verpflichtet seit 2024 alle Kommunen in Deutschland, bis spätestens 2028 einen kommunalen Wärmeplan vorzulegen. Ziel ist es, den Wärmesektor – also Heizung und Warmwasser – bis 2045 klimaneutral zu gestalten. Der Plan legt fest, welche Gebiete künftig per Fernwärme versorgt werden, wo Wärmepumpen die beste Lösung sind und wie das Gasnetz schrittweise ersetzt wird. Für Hauseigentümerinnen und -eigentümer ist er besonders wichtig: Er bildet die Grundlage dafür, welche Heizung beim nächsten Tausch sinnvoll und förderfähig ist.
Auch Wesseling erarbeitet derzeit einen solchen Plan. Im Zielszenario für 2045 sollen demnach 34 % des Wärmebedarfs durch Wärmepumpen gedeckt werden, 32 % durch Biogas bzw. Biomethan und ein weiterer Teil durch Fernwärme. Klingt ausgewogen – ist es aber aus unserer Sicht nicht. Im Rahmen der öffentlichen Beteiligung hat der Ortsverband Wesseling eine Stellungnahme zum Entwurf eingereicht, die ihr hier lesen könnt. Unsere zentralen Kritikpunkte:
Der Plan basiert auf lückenhaften Daten. Für das Gasnetz fehlen grundlegende Bestandsinformationen vollständig – eine solide Planung ist auf dieser Basis kaum möglich. Auch die ausgewiesenen Fernwärmedaten widersprechen den öffentlich zugänglichen Angaben der Wärmegesellschaft Wesseling um ein Vielfaches.
Das Zielszenario ist zu wenig ambitioniert. Nur 34 % Wärmepumpenanteil – obwohl die Kölner Bucht zu den wärmsten Regionen Deutschlands gehört und Wärmepumpen hier besonders effizient arbeiten. Kommunen wie Remscheid, Meckenheim oder Nörvenich planen Anteile von 85 bis 95 %. Wesseling sollte den Anschluss nicht verpassen.
Biogas ist keine tragfähige Lösung. Für den geplanten Biomethan-Anteil von 32 % wären mindestens 1.500 Hektar Anbaufläche nötig – fast zwei Drittel des gesamten Wesselinger Stadtgebiets. Echte CO₂-Einsparungen entstehen dabei kaum.
Unser Vorschlag: Ein Wärmepumpenanteil von 80 % ist technisch realistisch, günstiger für Haushalte und erfordert nur den Ausbau des Stromnetzes – der ohnehin kommt, für Elektroautos, Photovoltaik und Klimaanlagen. Teure neue Wärme- oder Biogasnetze würden dagegen weitgehend entfallen.